Wie denken wir uns eine franziskanische Lebensführung?

Für Franziskus war die Entscheidung zu einem Leben in Armut eine wichtige Voraussetzung dafür, frei zu sein für seinen Dienst – eine Entscheidung von nicht geringerer Bindung und Tiefe als die bezüglich der Ehe. Er nannte in der Tat die Armut seine Herrin und seine Braut. Aber was bedeutet das für uns heute? Das Leben in einem der reichsten Länder der Erde ohne Hunger und Mangel und das Leben in Verantwortung für eine Familie lässt das Reden von Besitzlosigkeit leicht zu einem Lippenbekenntnis werden. Es geht unserer Ansicht nach heute um:

  • den Geist der einfachen Lebensführung
  • die innere Freiheit gegenüber dem Haben müssen
  • das Offen sein für die Zeichen der Zeit
  • das Teilen können – auch von Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten
  • das Frei sein von Neid

Die Liebe zur Kirche erwuchs für Franziskus gegenüber dem äußeren und inneren Verfall der Kirche seiner Zeit. Wohl gibt es in unserem Land viele zweckentfremdete, reparaturbedürftige oder zum Museum degradierte Gotteshäuser, aber noch mehr wenig besuchte Gottesdienste. In einer säkularisierten Gesellschaft geht es den Tertiaren um:

  • regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst und an der Feier des heiligen Abendmahls
  • verbindliches geistliches Leben im Alltag
  • regelmäßige, geordnete Zeiten für Schriftlesung und Gebet
  • freudigen Einsatz seiner Gaben im leben der Ortsgemeinde
  • Zeit haben für die Schwestern und Brüder im Glauben

Neben diesen Seiten der franziskanischen Spiritualität ist das ökumenische Anliegen ein wichtiger Grundgedanke unserer Gemeinschaft. Wir beten und mühen uns um die Einheit aller christlichen Kirchen im Glauben und in der Liebe, auf dass sich das hohepriesterliche Gebet des Herrn erfülle: „dass sie alle eins seien.“ (Joh. 17,21)
Die Liebe zu den Geschöpfen bewog Franziskus zum freudigen Lobpreis Gottes, aber auch zur Sorge für Kranke, Aussätzige und alle Kreatur. Wie aktuell ist heute:

  • die Liebe zu allem Geschöpflichen in unserer von Krieg und Umweltzerstörung bedrohten Welt
  • die Solidarität mit Menschen in jeglicher Not
  • die Verfügbarkeit für den Dienst am Menschen
  • die Beachtung und das Für-voll-Nehmen der Armen und Leidenden
  • die Schlichtung von Unfrieden in der nächsten Umgebung


Diese drei Hauptgedanken sind es, die uns heute in der Nachfolge Christi bewegen.

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